Bündnisschach wird von vier Parteien gespielt.
Das Brett hat 10 x 10 Felder.
Gelb und Schwarz sind Großmächte.
Rot und Grün sind Kleinmächte.

Arnold Schönberg

Bündnisschach wird von vier Parteien gespielt.
Das Brett hat 10 x 10 Felder.
Gelb und Schwarz sind Großmächte.
Rot und Grün sind Kleinmächte.

Arnold Schönberg

Einführung

Schönberg entwickelt sein Koalitions- oder Bündnis-Schach in der ersten Hälfte der 1920er Jahre. Bei Schönbergs Regelkompendium handelt es sich um einen differenzierten, in seinen Kräfteverhältnissen ausbalancierten Entwurf mit sehr eigenwilligen und originären Elementen, dessen Erstellung enormer Arbeit bedurfte.

Schönbergs Schach stellt eine Erweiterung des traditionellen Schachspieles dar. Gespielt wird von vier Parteien, zwei »Großmächten« (Gelb, Schwarz) und zwei »Kleinmächten« (Grün, Rot), die in den ersten drei Runden Koalitionen eingehen können. Statt über sechs verschiedene Figuren wie das traditionelle Schach verfügt das Koalitions-Schach über Figuren mit neun Gangarten. Ihre Bewegungsregel wird entweder vom traditionellen Schach übernommen, oder, bei den drei neuen Figuren, aus zwei alten Figuren zusammengesetzt.

Schönbergs Figuren bleiben gegenständlich, sie versinnbildlichen das vielleicht ursprüngliche Motiv des Heeres in moderner Form. Die Figuren, ihre Bezeichnungen und ihre Verteilung entsprechen den Erfahrungen Schönbergs mit der Kriegsmaschinerie des Ersten Weltkrieges. Rot symbolisiert die Luftstreitkräfte (Flieger), Grün die Marine (U-Boote), die Großmächte Gelb und Schwarz verfügen über das militärische Arsenal der Landstreitkräfte.

Schönberg konzipiert jedoch, und darin liegt seine Besonderheit, kein Kriegsspiel, das es in der Geschichte des Schachspiels in unzähligen Varianten gibt, dem agonalen Kampf ist die Anstrengung der Diplomatie, die Verhandlung der Spieler über mögliche Koalitionen vorausgesetzt.

Die Figuren, ihre Gangart und ihre Aufteilung

Der König zieht und schlägt wie im Schach und hat auch sonst die gleiche Bedeutung.

Der Flieger ist eine neue Figur, sie entspricht zwei aufeinander folgenden, aneinander anschließenden Springerzügen. Ausgeschlossen ist dabei nur ein solcher Zug, bei welchem der Flieger auf seinen Ausgangspunkt zurückfährt.

Das Unterseeboot ist ebenfalls eine im Schach nicht vorkommende Figur. Sie macht alle Züge von Dame und Springer.

Der Tank entspricht der Dame des Schach.

Die Artillerie entspricht dem Turm des Schach.

Der Ingenieur entspricht dem Springer des Schach.

Der Radfahrer entspricht dem Läufer des Schach.

Der Schütze entspricht dem Bauern des Schach.

Das Maschinengewehr ist eine im Schach nicht vorkommende Figur; sie besitzt die Rechte des Königs und des Bauern, kann aber ohne Partieverlust geschlagen werden. Sie kann also auch von der Ausgangsstellung einen Doppelschritt tun und ein Feld weit in alle Richtungen gehen und schlagen.

Grundregeln und Spielvarianten, Kurzfassung

1. Koalitions- oder Bündnis-Schach wird von vier Parteien (Gelb, Grün, Schwarz, Rot) gespielt.

2. Das Brett hat 10x10 Felder. Gelb und Schwarz sowie Rot und Grün sitzen einander gegenüber.

3. Gelb und Schwarz sind »Großmächte« (sie verfügen über Könige), Rot und Grün sind »Kleinmächte« (sie haben keine Könige). Wenn nicht anders erwähnt, gelten die üblichen Schachregeln.


A. Spielverlauf

4. Gelb ist stets der Anziehende, d.h. er macht den ersten Zug, gespielt wird in der Reihenfolge: Gelb, Schwarz, Grün, Rot.

5. Es verbünden sich je eine Großmacht (Gelb, Schwarz) mit einer Kleinmacht (Grün, Rot), somit sind folgende Koalitionen möglich:

Gelb + Grün gegen Schwarz + Rot
Gelb + Rot gegen Schwarz + Grün

6. Gewonnen hat jene Koalition, welche den König der gegnerischen Koalition mattsetzt.

B. Abschluß des Bündnisses

7. In den ersten drei Runden muss sich entschieden haben, ob und welches Bündnis abgeschlossen wird oder die Partie wird abgebrochen. Eine Runde ist abgeschlossen, wenn jeder Spieler einmal gezogen hat.

8. Vor Beginn der ersten Runde stellen die Parteien ihre Figuren auf, wozu jeder Partei ein »Aufstellraum« (siehe Graphik, umrandete Linien) angewiesen ist.

9. Grün, Rot und Schwarz bringen ihre Figuren zunächst in eine vorläufige Stellung, der anziehende Gelb hat das Recht, innerhalb seines Aufstellraums jeder Figur einen ihm geeignet erscheinenden Platz zuzuweisen. Danach beginnt Gelb die Partie.

10. In den ersten drei Runden können die Kleinmächte Grün und Rot, sobald sie am Zug sind, in eine Koalition mit einer Großmacht eintreten. Dies erfolgt durch verbale Erklärung, durch ein Schachgebot oder durch Schlagen einer Figur einer gegnerischen Großmacht. Die gewählte Koalition kann während der Partie nicht mehr verändert werden. Ein Sieg zählt 6 Punkte, ein Remis 2 Punkte.

11. Die Kleinmächte Grün und Rot haben während der ersten drei Runden das Recht, auch neutral zu bleiben. Die Partie wird dann abgebrochen. Koalierte Partner erhalten je 1 Punkt, Spieler ohne Koalition keinen Punkt.

12. In den ersten drei Runden haben Schwarz, Rot und Grün einmal das Recht, anstelle eines Zuges ihre Figuren innerhalb des Aufstellraumes beliebig zu verändern.

13. Ein Schachgebot kann sofort (außer der Reihenfolge) beantwortet werden. Der Spieler muß in der nächsten Runde aussetzen.

14. Wenn eine Kleinmacht sämtliche Figuren verloren hat, so scheidet der Spieler aus dem Spiel aus und es sind dann in jeder Runde nur drei (bzw. zwei) Züge zu machen.

C. Spielvarianten

15. Spiel mit Strohmännern: Das Koalitions-Schach wird am Besten von vier Spielern gespielt; aber es können auch 3 Spieler mit 1 Strohmann oder 2 Spieler mit 2 Strohmännern spielen.

16. Optionale Zugregeln während der ersten drei Runden: Spieler können auf einen Zug verzichten, d.h. abwarten. Gelb und Schwarz können, ohne dadurch einen Zug zu verlieren, ihre »Radfahrer« einmal innerhalb des Aufstellraumes auf das Feld einer anderen Farbe stellen.

17. Koalition der Kleinmächte gegen die Großmächte: Es ist auch eine Koalition Rot+Grün gegen Gelb+Schwarz möglich. Die koalierten Kleinmächte gewinnen dann wie im Schach durch Matt eines der beiden Könige, die Großmächte wie im »Fress-Schach« durch Schlagen aller Figuren.

Redaktion: Daniel Zaman und Ernst Strouhal

Probespiel

Im Jahr 2004 wurde im Arnold Schönberg Center eine Probepartie gespielt, um die praktische Spielbarkeit von Schönbergs Koalitions-Schach zu bewerten und zu diskutieren. Die Rollen der »Großmächte« wurden von Großmeister Stefan Kindermann (Gelb, GER) und von Fernschach-Weltmeister Tunç Hamarat (Schwarz, TUR) übernommen, die »Kleinmächte« wurden von Michael Ehn (Grün, AUT) und Ernst Strouhal (Rot, AUT) gespielt.

STL Daten für 3D Drucker

 

3D-Modelle (.stl) und Spielfeld (.jpg) downloaden

König: 1 x schwarz, 1 x gelb

Flieger: 2 x rot

Unterseeboot: 2 x grün

Tank: 1 x schwarz, 2 x gelb

Artillerie: 2 x schwarz, 1 x gelb

Ingenieur: 1 x schwarz, 1 x gelb

Radfahrer: 1 x schwarz, 1 x gelb

Schütze: 2 x schwarz, 3 x gelb, 2 x rot, 2 x grün

Maschinengewehr: 4 x schwarz, 3 x gelb, 2 x rot, 2 x grün